
Psychotherapie
Definition
Das Wesen der Psychotherapie
In meiner Praxis arbeite ich mit der kassenärztlich zugelassenen Methode der "tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie".
Psychotherapie ist ein komplexes Geschehen und folgt den Gesetzmäßigkeiten der Psychodynamik.
Auch wenn der Patient zunächst denkt, es handelt sich um ein "Gespräch" über seine Problem, merkt er schnell, dass innere Prozesse auf der Gedanken-, Gefühls,- und Handlungsebene in Gang kommen. Gefühle werden bewußter wahrgenommen und die Selbstreflektion wird sensibilisiert. Der Pat. beginnt sich und sein Umfeld mit anderen Augen wahrzunehmen und sein Verhalten und seine Lebensbezüge zu überdenken.
Auf einer tieferen Ebene werden innere Ressourcen aktiviert, die es einem ermöglichen, Mut und Kraft zu positiven Veränderungen zu mobilisieren. Vielleicht beginnt man Verhaltensweisen zu ändern und störende Symptome als notwenige Wegweiser zu sehen, um neue Lebensmuster zu wagen.
Folgende drei Grundbegriffe sind in der Tiefenpsychologie von großer Bedeutung:
1. Das Unbewußte:
Ein Großteil unserer Motive, Gedanken und Empfindungen liegen im Unbewußten und sind uns durch willentliche Anstrengung nicht zugänglich. Sie nehmen aber bedeutsam Einfluß auf unser inneres Erleben und äußeres Handeln. Ein Therapieziel ist es, diese Prozesse bewußter zu machen. Durch diese Erkenntnisse wird es möglich, direkter unsere Ziele zu erreichen und entsprechend unserer Bedürfnisse umzusetzen.
2. Die Übertragung:
Jeder von uns hat eine "typische Art" mit Menschen in Kontakt zu treten und sich in sozialen Gefügen zu verhalten. Diese Verhaltensmuster wurden in unserer Familie geprägt, haben sich in unserem Kontakt zu Mutter, Vater und Geschwistern entwickelt. Oft sind wir uns dieser Muster nicht bewusst. Nach diesen Mustern organisieren wir weitgehend unbewußt auch die Beziehungen in der Gegenwart. Ebenso die Beziehung zum Psychotherapeuten. Das ist die sogenannte "Übertragung" und ein wichtiger Informationsgeber für den Therapeuten. Die Übertragungsmuster werden im Laufe der Therapie dem Pat. bewußter gemacht. Das schafft die Voraussetzung, dass sich neue und konstruktive Verhaltensweisen entwickeln können, um immer gleiche Schwierigkeiten im privaten und beruflichen Umfeld zu vermeiden.
3. Zweizeitige Entwicklung der Störung:
Entstehen psychische oder körperliche Symptome, dann liegt oft ein aktueller Konflikt vor, der bereits über längere Zeit anhält. Das verursacht innere Spannung und Streß. Die entstehenden Symptome weisen auf einen inneren Mißstand hin, der behoben werden muß. Der aktuelle Konflikt hat immer einen inneren Bezug und eine innere Entsprechung zu einem alten, in der Kindheit liegenden Konflikt. Als Kind erlernt man innerhalb der Familie Verhaltensmuster, die es einem ermöglichen mit den Gegebenheiten in der Familie zurecht zu kommen. Diese können gewohnheitsmäßig nicht so leicht abgelegt werden, verursachen aber in der Gegenwart schwierige Konstellationen. Bei einer Störung der Seele liegen die Gründe für die Entstehung der Symptome auf zwei Zeitebenen. Die Wurzel eines krankmachenden Verhaltensmusters liegt also in der Kindheit, der krankmachende Effekt liegt in der Gegenwart.
Behandlungsablauf
Diese oben beschriebenen Grundpfeiler der Tiefenpsychologie bilden die Grundlage der psychotherapeutischen Behandlung:
Der Behandlungsfokus ist auf den aktuellen Konflikt gerichtet. Dieser spiegelt das Muster wieder, welches schon in der Kindheit aufgrund konflikthafter Konstellationen geprägt wurde. Der gegenwärtige Konflikt ist eine Reaktualisierung zurückliegender schmerzhafter Empfindungen. Beide Empfindungsebenen summieren sich und lassen oft unvermutet seelische und körperliche Symptome zum Ausbruch bringen.
Die durch die Konflikte entstehende innere Spannung ist demzufolge die "Nahrung" der Symptome.
Symptome sind "wertvolle" Informationsträger. Sie weisen uns den Weg zu den Gründen unserer Probleme. Psychotherapie beginnt zu wirken, wenn diese Prozesse bewußter werden und die dahinter liegende Psychodynamik erkannt wird. So können auf bewußter Ebene konstruktive Verhaltensänderungen eingeleitet werden. Gleichzeitig wird die Autonomie gestärkt, das sind die eigenständigen Anteile der Persönlichkeit. Der Pat. entwickelt mehr Fähigkeiten zur Selbstverantwortung und erfährt sich als aktiv Handelnder, als "Gestalter" seines Lebens. Er fühlt sich nicht mehr hilflos und ohnmächtig gegenüber den aufgetretenen Problemen.
Psychotherapie bedarf eines regelmäßigen Rhythmus. Es sollte wöchentlich eine Therapie-Stunde möglich sein, damit die inneren Prozesse in Gang bleiben.
Wirksamkeit von Psychotherapie
Es gibt mittlerweile viele Studien in der wissenschaftlichen Psychologie die eine hohe Wirksamkeit der Behandlung psychischer und psychosomatischer Symptome durch Psychotherapie belegen. Bei 70-80% Prozent der Behandelten kommt es zu einer Besserung der Symptome und positiven Veränderungen in der Lebensführung, so dass auch ein präventiver Effekt entsteht. Ausschlaggebend hierfür ist die Schwere und die Struktur der Störung. Neurotisch bedingte Störungen haben eine größere Chance zur Verbesserung als persönlichkeitsbedingte Störungen.
Aus ganz neuen Studien in der Gehirnforschung mit Hilfe von bildgebenden Verfahren weiß man, dass sich durch psychotherapeutische Behandlungen die Aktivierungsareale im Kortex verändern lassen. Neuronale Verknüpfungen werde also neu organisiert und etablieren Veränderungen im Gehirn-Stoffwechsel. Hier steht die Forschung noch sehr am Anfang.
Wichtig für die Wirksamkeit ist das richtige Behandlungsverfahren und das individuelle therapeutische setting. Es muß sich ein Vertrauenspotential als Arbeitsgrundlage zwischen Pat. und Therapeut entwickeln können.
Hat der Pat. oder Therapeut Zweifel bezüglich Vertrauensfähigkeit oder Motivation, sollte dies thematisiert werden. Gerade auch durch das Ansprechen von Schwierigkeiten und Konflikten in der Therapie liegt viel nutzbringendes Potential für den Pat.. Durch Klärungen im Therapiesetting können althergebrachte Verhaltensmuster durchbrochen und Änderungen eingeleitet werden. Denkt der Pat. über einen Therapieabbruch nach, sollte er die Chance nutzen, dies zum Inhalt der Psychotherapiestunden zu machen und offen anzusprechen. Manchmal ist es aber nicht möglich, Zweifel auszuräumen und ein Vertrauensverhältnis zu etablieren. Dann kann es besser sein, den Therapeuten oder das Behandlungsverfahren zu wechseln.
Organisatorischer Ablauf
Telefonisch können Termine für Erstgespräche vereinbart werden. Beim Erstgespräch erzählen sie ihre Gründe, weshalb sie eine psychologische Praxis aufsuchen. In den ersten Stunden, den sogenannten "probatorischen Sitzungen" werde ich ihnen noch vermehrt Fragen zu ihrer Biographie stellen. Ein Anamnese-Fragebogen sollte von ihnen zuhause ausführlich beantwortet werden. Aufgrund ihrer Angaben, des Gesprächverlaufes und meines “Klinischen Eindrucks” werde ich eine Diagnose erstellen, den Behandlungsplan festlegen und das Veränderungspotential überprüfen. Ein entscheidender Faktor für den Behandlungserfolg wird ihre Motivation sein. Psychotherapie funktioniert nur, wenn sie eine hohe eigene Motivation haben. Psychotherapie macht keinen Sinn, wenn jemand anderes möchte, dass sie sich verändern sollen, aber nicht sie selbst. Nach dieser Einleitungsphase wird geklärt, ob eine Psychotherapie als "genehmigungspflichtige Leistung" bei ihrer Kasse beantragt wird.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen, den Privatkassen (entsprechend ihres Vertrages mit der Kasse) und der Beihilfe bezahlt.
Schweigepflicht
Als approbierte psychologische Psychotherapeutin unterliege ich der Schweigepflicht nach der heilkundlichen Berufsordnung.
